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Das Phänomen Orange Wine

Wein an sich ist ja schon ein sehr emotionales Thema. Da wird philosophiert, gestritten, debattiert. Über die Reben, die Verarbeitung, die Schwefelung, konventioneller Anbau oder doch lieber bio? Das Phänomen Orange Wine setzt jetzt noch eines drauf. So mancher fragt sich: eine willkommene Abwechslung zu Weiß, Rot und Rosé oder eigentlich schon verdorben und vollkommen für den Eimer? Höchste Zeit, der vierten Weinfarbe auf den Grund zu gehen.

ORANGE WINE – WAS IST DAS GENAU?

Es handelt sich dabei um Weine aus weißen Trauben, die einer Maischegärung unterzogen wurden. Diesen Vorgang kennt man eigentlich aus der Rotwein-Herstellung: Die Beeren werden gequetscht, und die Mischung aus Beerenschalen, Kernen und Saft der Alkoholgärung überlassen. Durch diesen Prozess können mehr Tannine und Farbstoffe extrahiert werden und der Wein bekommt eine Farbe, die von leuchtend orange bis ins Bernstein geht. Auf chemische Zusätze, Reinzuchthefe, Enzyme und Zuckerbeigaben wird verzichtet. Geruch und Geschmack können stark variieren – naturgemäß schmeckt der orange Bruder jedoch sehr komplex und körperreich. Trocken, mineralisch und einen Hauch oxidiert. Wodurch böse Zungen meinen, er sei bereits verdorben. In Sachen Schwefelung gilt: Die meisten Rebstock-Rebellen vinifizieren bei Orange Wine vollkommen ohne Schwefel. Es gibt jedoch auch Winzer, die geringe Dosen oder gar den gleichen Anteil wie bei konventioneller Weinherstellung verwenden.

DER URSPRUNG – WOHER KOMMTS?

Reisen wir 8000 Jahre zurück. An den Kaukasus, genauer gesagt nach Georgien. Historiker vermuten, dass Bauern einen Wintervorrat an Trauben in einer Tonamphore eingelagert haben. Das unerwartete Ergebnis: Der abgesonderte Saft begann zu gären, und nach geraumer Zeit war das geboren, was wir heute Orange Wine nennen. Traditionell werden deswegen auch heute noch oft nach historischem Vorbild Tongefäße verwendet. In der Erde eingebuddelt, verschlossen und abgedeckt. Stellt sich nun die Frage, wie die vierte Weinfarbe dann zu uns kam? Dank eines Pioniers: Starwinzer Josko Gravner aus dem norditalienischen Friaul reiste in den 80er Jahren nach Georgien, zu den „Anfängen des Weins“. Und erkannte, dass es noch etwas anderes gibt, als moderne Edelstahltanks und computergesteuerte Temperaturanzeigen. Zurück zuhause in Bella Italia fing Gravner dann an, Wein zu machen wie er es in Georgien gesehen hatte.

ORANGE WINE AUS KROATIEN

Im Impuls Hotel Tirol steht edler Orange Wine aus unserem Nachbarland auf der Karte. Hotelchef Christoph Weiermayer: „Ein Geheimtipp ist das Weingut Roxanich.“ Der Orange Wine von Winzer Mladen Rozanic, Star der kroatischen Weinszene, schmeckt wunderbar frisch, fruchtig und aromatisch.

 


Datum: 21. Oktober 2015 . Autor: Daniela Pfeiffenberger
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