Historisches II – Geschichte des Gasteiner Heilstollens

Das Gebiet zwischen Sonnblick und Ankogel -im Herzen von Österreich – nur 100 km von Deutschland und Italien entfernt -ist schon seit den Römerzeiten als das fündigste Erzgebiet der Alpen bekannt.

Der Gold- und Silberbergbau hatte seine Hochblüte im 16. und 17. Jahrhundert. Allein im Jahre 1557 wurden hier im Tal mehr als 800 Kilo reines Gold zutage gefördert.

Als man zu Beginn des 2. Weltkrieges versuchte, den Goldbergbau in diesem Gebiet zu reaktivieren, dachte man natürlich auch an den Radhausberg, auf dem große Schutthalden, Ruinen und Knappensiedlungen sowie mehr als 50 verfallene Stollenmundlöcher noch Zeugnis von einem intensiven Bergbau in früheren Zeiten gaben.

1940 wurde mit einer neuen Stollenführung versucht, die alten Erzgänge zu unterfahren, um so wieder auf fündige Gangklüfte zu stoßen. In dieser Hinsicht war der Paselstollen jedoch eine Enttäuschung. Man machte einige interessante Entdeckungen, die nach dem Krieg zu einer wissenschaftlichen Erforschung des Stollens führten. 

Es wurde festgestellt, dass in einem bestimmten Teil des Berges hohe Gesteinstemperaturen bis 44 °C auftraten und eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschte. Außerdem gaben viele beim Stollenbetrieb beschäftigte Bergarbeiter an, ihre rheumatischen Beschwerden, entzündlichen oder durch Verschleiß bedingten Gelenksprobleme, aber auch Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale als auch Hauterkrankungen während der Arbeiten im Stollen verloren zu haben. Schnell sprach sich dieses ganz andere „Tauerngold“ herum.

Ab 1946 wurden daher umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen durch die Universität Innsbruck durchgeführt, die außer der hohen Wärme (bis zu 41 °C) und Luftfeuchtigkeit (bis zu 100 %) auch den Radongehalt in der Stollenluft als Wirkungsfaktor erbrachten.

In einem Gutachten der Universität Innsbruck (Prof. Scheminzky und Prof. Hittmair) kam man 1951 übereinstimmend zu dem Urteil, dass der Behandlung im Stollensystem von Gastein ein Heilwert zuzusprechen ist, welcher dem der Badekuren gleichkommt, bei einer beachtlichen Anzahl von Kranken aber den Wert aller bisher gebräuchlichen – auch der modernsten – Behandlungsmethoden übertrifft.heilstollen1


1952 startet der Kurbetrieb in das Innere des Radhausberges. Als Pionier zu bezeichnen ist der damalige Arzt Dr. Otto Henn, der vom Vorstand des Physiologischen Institutes der Universität Innsbruck, Univ. Prof. Dr. F. Scheminzky, mit der medizinisch-wissenschaftlichen Erforschung es radioaktiven „Wunderstollens“ beauftragt wurde.

2001 hat die Universität Maastricht (Niederlande) in einer kontrollierten randomisierten Studie die hohe Effektivität und das besonders positive Kosten-Nutzen-Verhältnis der Heilstollen-Therapie wissenschaftlich bestätigt.

Seit 1952 fahren jährlich tausende Heilungssuchende in den Gasteiner Heilstollen zur Therapie Kur ein.


Datum: 30. Januar 2015 . Autor: Daniela Pfeiffenberger
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