WILLKOMMEN – ein mentales Training für den Alltag

Ganz besonders in Krisenzeiten.

Gerade in Zeiten der Krise kommt es darauf an, wie es um unsere Fähigkeit zu Resilienz und um unseren Umgang mit uns selbst steht.
Verfalle ich in Ratlosigkeit, Mutlosigkeit oder gar in eine tiefe Depression? Oder gelingt es mir, ruhig zu bleiben, bei mir zu bleiben und den Blick nach vorne zu richten?

Hilft mir meine ansonsten vielleicht positive Lebenseinstellung dabei? Oder verliert sie angesichts der Heftigkeit einer Situation plötzlich an Wirkung? Gerade in unerwarteten, besonders herausfordernden Situationen werden oft Gefühle und tief im Unterbewusstsein Verborgenes „getriggert“ . Man kann sich das vorstellen wie bei einer Faszien Massage, die plötzlich Schmerzpunkte und Verspannungen offenlegt, die uns zuvor gar nicht in ihrer Dimension bewusst waren.

Was hier wirkt, sind unter Umständen alte, kindliche Erfahrungen, die mitunter viel weiter zurückreichen, als uns bewusst ist. Dabei kann es sich manchmal sogar um Übertragungen aus vorangegangen Generationen handeln. Vielleicht spielt zum Beispiel die bei der eigenen Mutter als Kind erlebte Existenzangst, die noch aus der (Nach-) Kriegszeit stammt, plötzlich eine Rolle……

Diese tief verborgenen Erfahrungen wirken mehr auf unser Fühlen, Denken und Handeln, als uns bewusst ist und steuern uns unbemerkt – besonders in heftigen Situationen – sozusagen aus dem Unbewussten heraus.

Manche Menschen wenden sich in solch einer Situation an einen Therapeuten oder einen Coach, der sie dabei begleitet und unterstützt, diese Erfahrungen und vorhandenen, akuten negativen Gefühle zu verarbeiten. Ratsam ist es aber jedenfalls, sich in einer schwierigen Phase Zeit für sich selbst zu nehmen.

„Sich selbst Aufmerksamkeit und Beachtung zu schenken und sich achtsam und liebevoll selbst zu beobachten und begleiten, dürfen Sie sich unbedingt wert sein.“

Es ist gut und richtig, sich in einer schwierigen Zeit selbst Zuwendung zu schenken. Wer den Mut aufbringt, hinzuschauen zum aktuellen oder alten Schmerzpunkt, hat die Chance, ihn zu beschreiben, und ihn zu benennen und daran zu arbeiten.

Schon klar, nicht jedes Problem kann sich in Luft auflösen. Aber: Wir können es uns LEICHTER machen, den Blickwinkel verändern und versuchen, nicht krampfhaft nach schnellen Lösungen für ein Problem zu suchen, sondern uns Zeit zu lassen, um kreative Lösungsansätze und Entscheidungen reifen zu lassen.

Das „kleine“ Wörtchen WILLKOMMEN, kann dabei eine große Unterstützung sein, wenn Sie dieses als eine Art mentales Trainingsprogramm grundsätzlich, aber ganz besonders in einer für Sie persönlich krisenhaften Zeit anwenden:

WILLKOMMEN

  • Zu mir selbst
  • Den Menschen, die mir heute begegnen
  • Die Herausforderung (das Problem)

Hilfreich ist, sich diesen kleinen Satz wie ein kleines, immer wiederkehrendes Ritual herzuholen und in den Alltag einzubauen. Ein kleines Post it zum Beispiel am Spiegel über dem Waschbecken erinnert uns am Morgen bereits, sich auf sich selbst, unsere Mitmenschen und die bevorstehenden Herausforderungen positiv einzustimmen.

Unser Unterbewusstsein ist gerade in entspanntem Zustand (unter der Dusche, kurz nach dem Aufwachen, in der Meditation) besonders offen und empfänglich, solche positiven Affirmationen aufzunehmen.

Nun kann man sich denken, dass es nun gar nicht wünschenswert ist, einen Menschen, mit dem man sich zum Beispiel aktuell in einem Konflikt befindet, willkommen zu heißen. Ja, stimmt. Dieses Argument ist durchaus verständlich. Bei diesem Training geht es vor allem darum, sich bewusst und willentlich ein einen Zustand des ANNEHMENS zu versetzen.

WILLKOMMEN heißt JA zu sagen, zu dem, was mich aktuell in meinem Leben beschäftigt und hilft, die Situation ganzheitlich zu realisieren. Es soll dabei unterstützen, sich zu Themen/Menschen in eine „gesunde“ Distanz zu bringen und sich einen besseren Überblick und mehr Klarheit zu verschaffen.

Zu erkennen und auf einer „tieferen“ Ebene zu erkennen, dass eben das alles Teil von mir und meines Lebens ist. Das entspannt und macht es möglich, die Dinge nicht überstürzt und hektisch anzupacken, sondern mit mehr Ruhe und Gelassenheit zu agieren.

Ein berühmtes Gedicht von Erich Fried bringt die Essenz dieses kleinen Trainingsprogrammes auf den Punkt:

Es ist Unsinn sagt die Vernunft
Es ist was es ist sagt die Liebe
Es ist Unglück sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist sagt die Liebe.
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung

Es ist was es ist
sagt die Liebe.

Viel Freude und Kraft beim Anwenden wünscht Euch
Bibiana Weiermayer-Schmid


Datum: 21. April 2020 . Autor: Bibiana Weiermayer-Schmid
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